Konzertkritik
Konzert vom 19.02.2016 im Raatssaal
Beethoven im Ratssaal: Quartett zieht Publikum in seinen Bann
Pinneberger Tageblatt, 23. Februar 2016
Kurzfristig hatte sich das Vision String Quartett bereit erklärt, das Konzert des Kulturvereins Pinneberg (KVP) am Freitagabend zu bestreiten – sie kamen eigentlich als Ersatz und entpuppten sich als wahrer Glücksgriff. Denn die vier jungen Musiker Jakob Encke (Violine), Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Cello) zeigten sich nicht einfach nur virtuos, sie brachten auch eine unbändige Energie und sagenhafte Spielfreude mit in den Ratssaal.

Alle Musiker bis auf den Cellisten spielten im Stehen, was für eine ganz besondere Gruppendynamik beim Musizieren sorgte, und noch dazu spielten sie auswendig. Eine beeindruckende Leistung mit Blick auf das Programm: Ludwig van Beethovens Streichquartett Nr. 7 in F-Dur (op. 59 Nr. 1), Béla Bartóks harmonisch und rhythmisch vertracktes Streichquartett Nr. 3 und Erwin Schulhoffs „Fünf Stücke für Streichquartett“, fünf klassische Tanzsätze als musikalische Grotesken.
Die Konzertbesucher bekamen von dem Quartett einen einmaligen „Beethoven“ serviert: Ein enormes Wechselspiel an Kontrasten ließ etwa im zweiten Satz die einzelnen Themen fast fragmentarisch im Raum stehen, während ein romantisch-lyrischer Ansatz einem eruptiv-perkussiven, der an Strawinsky erinnern mochte, gegenüberstand – so hat man den Altmeister noch nicht gehört.
Genauso explosiv gingen die Vier Bartók und Schulhoff an. Der Musikalische
Leiter des KVP, Cord Garben, hatte zuvor gewarnt: „Diese Musik war damals die
neue Härte, zum Wohlfühlen war das nicht.“ Doch die Musiker bannten auch damit
das Publikum: In ihrem intensiven Zusammenspiel waren sie perfekt synchron und
interagierten zugleich mit den Zuhörern. Garben lobte: „Ich habe das noch nie
gesehen, dass Musiker in dieser Art nicht nur zueinander, sondern auch zum
Publikum spielen.“ Vor allem der zweite Violinist Stoll zeigte, wie viel Spaß
die anspruchsvolle Musik der Moderne machen kann. Dementsprechend war auch der
Applaus am Ende, selbst wenn der Saal nicht voll war.
Felisa Kowalewski (Artikel/Foto)