Konzertkritik
Konzert vom 16.09.2016 im Raatssaal
Dantes Höllentour in Ton und Bild
Auftakt: Der Pinneberger Kulturverein widmete dem italienischen Dichter das erste Konzert der Saison
Pinneberger Tageblatt, 20. September 2016
Engel, Dämonen und Büßer in brennenden Särgen, kochendem Blutstrom, Feuerregen – das ist Dante Alighieris Göttliche Komödie aus dem 12. Jahrhundert. Kein Wunder, dass Künstler seit jeher fasziniert sind und den Stoff in Musik und Bild festgehalten haben. Und genau denen widmete der Pinneberger Kulturverein das erste Konzert der Saison am vergangenen Freitag im Ratssaal.

Der Musikalische Leiter des Vereins, Cord Garben, präsentierte mit der Sopranistin Marlene Lichtenberg und dem Pianisten Justus Zeyen einen Rundmarsch durch verschiedene Dantevertonungen.
Doch damit nicht genug: Passend zum Inhalt wurden mithilfe eines Beamers Darstellungen sowie Noten und Text an die Wand projiziert. Werke der Komponisten Guiseppe Verdi, Hector Berlioz, Gaetano Donizetti und Giacomo Puccini standen auf dem Programm. Garben warnte gleich zu Beginn: „Es wird anstrengend, auch zu hören, es ist aber ein sehr beglückendes Programm.“ Es zeige die ganze Bandbreite der Dantevertonungen, vom kleinen Liedchen bis zum größten Radau. Diese „kleinen Liedchen“ waren melodiös, aber simpel in ihrer Klavierbegleitung. Erst Lichtenbergs klangschöne und ausdifferenzierte Interpretation gab ihnen Leben. Ihr Potenzial zeigte sie mit einer Szene aus der Donizetti-Oper „Pia del Tolomei“: Dramatik pur zunächst a cappella, dann untermalt mit rollenden Bässen bis hin zu einem Triumphgesang mit Koloraturpassagen – Bravorufe aus dem Publikum.
Im Zentrum standen jedoch an diesem Abend zwei Klavierwerke von Franz Liszt. Mit „Après une Lecture du Dante“
spielte sich Zeyen durch perlende Arpeggien und schwelende Tremoli, eine chaotische musikalische Darstellung
der Hölle. Der Pianist saß nicht in der Bühnenmitte, sondern versteckt an der Seite, um den Blick auf die
Projektionen freizugeben. Genauso hatte Liszt sich seine Dante-Sinfonie vorgestellt: Begeistert von einer
neuen Erfindung, einem Projektor, wollte er Illustrationen zu seiner programmatischen Komposition zeigen.
Leider klappte das damals noch nicht: Das Licht war viel zu schwach. „Die vielen Jahre seitdem haben eine
neue Technik gebracht, die Sie heute erleben“, erläuterte Garben, denn solche Illustrationen von dem Künstler
Gustav Doré hatte er natürlich dabei. Während Garben und Zeyen zu zweit am Klavier Platz nahmen und zu einer
Tour de Force durch „Inferno“, „Purgatorio“ und „Magnificat“ aufbrachen – eine Fassung zu vier Händen von
Arthur Hahn – flimmerten Dante, sein Höllenführer Vergil und ganze Teufelsscharen über die Leinwand – zum
Teil so schnell, dass das Publikum kaum hinterher kam. Es gab viel zu sehen: Stiche voll wallender antiker
Gewänder, das Spiel mit Perspektive, Licht und Schatten, von der Musik mal monoton und traurig, mal laut
und grell untermalt. Dieser Stummfilmvorgänger kam an und bescherte den Künstlern ordentlichen Applaus,
trotz einer Länge von fast einer Stunde.
Felisa Kowalewski (Artikel/Foto)