Konzertkritik
Konzert vom 24.02.2017 im Raatssaal
Ein mitreißendes Jubiläumskonzert
30 Jahre Pinneberger Kulturverein: Hochkarätige Musiker präsentierten beim Jubiläum Balladen
und Beethovens „Frühlingssonate“. Starbariton Roman Trekel war in Höchstform.
Pinneberger Tageblatt - 27. Februar 2017 - von Frauke Heiderhoff (Artikel/Fotos)

Stars der internationalen Musikszene und ein sehr gut besuchter Ratssaal: Beim Jubiläumskonzert „30 Jahre Kulturverein“ haben die Besucher ein exzellentes Programm genießen dürfen. Die amtierende Vorsitzende Gisela Bergner und der ehemalige Vorsitzende Peter Burgdorff begrüßten die Besucher. „Das Programm, dass wir ihnen bieten, ist der Knüller“, freute sich Gisela Bergner.
Burgdorff ließ die vergangenen 30 Jahre Revue passieren. Der ehemalige Vorsitzende erinnerte an Veranstaltungen mit dem für seine sächsischen Witze berüchtigten Ludwig Güttler, an Ausstellungen des verstorbenen Pinneberger Malers und Rudolf Grothkop sowie an Konzerte mit Musikern der polnischen Kammerphilharmonie. Die Schauspielerin Evelyn Hamann habe im Zuge einer Literaturveranstaltung eineinhalb Stunden benötigt, um „sich auszuleuchten“.
Alle Vorstandsmitglieder hätten Pinneberg vor einem Verlust bereichernder kultureller Events bewahrt. Er hob zudem die Brüder Fritz und Cord Garben mit ihren Kontakten zur internationalen Musikszene hervor.

Die stellvertretende Konzertmeisterin beim NDR Elbphilharmonie Orchester Marietta Kratz und der Pianist Henning Lucius eröffneten das Konzert stimmungsvoll mit Händels „Sonate D-Dur op.1 Nr. 13“. Das Duo bot eine technisch souveräne Darbietung. Die von Kratz sehr virtuos vorgetragener „Frühlingssonate F-Dur op. 24“, erster Satz von Beethoven dankten die Zuschauer mit ersten Bravorufen.
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind. Mit Goethes bekanntester Ballade in der Vertonung von Carl Loewe „Der Erlkönig“ zog Daniel Barenboims Starbariton Roman Trekel das Publikum in seinen Bann. Mit artikulatorischer Präzision und der Gabe, erzählen zu können, beziehungsweise Goethes Figuren und Ereignisse zu bebildern, beeindruckte Trekel. Garben begleitete seinen langjährigen Partner farbig und präzise.
Sopranistin Silja Schindler stellte klar, im Programm „zuständig für die Liebe“ zu sein. Mit Arien „Je veux vivre“ von Charles Gounod und vor allem mit Puccinnis wunderbar interpretierter Arie „Ch’il bel sogno“ erwies sie sich als ausdrucksstarke Sängerin. Bravorufe folgten.
Der Klarinettist der Hamburger Philharmoniker Christian Seibold und Garben am Klavier beeindruckten mit Schottischen Bildern von Carl Loewe. „Wir können ihnen garantieren, dass sie dieses Stück noch nicht kennen“, versprach Garben. Wie vom preisgekrönten Produzenten angekündigt, erinnerten die Stücke von Loewe an Werke aus der mittleren Schaffensperiode Beethovens.
Mit romantischen Balladen Loewes setzten der Solo-Klarinettist der Philharmoniker sowie der Pianist Garben einen besonderen Akzent zum Ende des Konzerts. Die fünf Stücke Loewes gewährten den Zuhörern faszinierende Einblicke in das Werk des zurecht als König der deutschen Balladen-Kunst bezeichneten Komponisten. Mit melancholisch-sehnsuchtsvollen Klängen des Solo-Klarinettisten der Hamburger Philharmoniker endete das stimmungsvolle Konzert.