Konzertkritik

Konzert vom 27.01.2017 im Raatssaal

Von Kyoto nach Pinneberg
International erfolgreicher Bariton Peter Schöne im Ratssaal
Pinneberger Tageblatt - 20. März 2017 - von Janina Schmidt

Voller Gefühl interpretiert Bariton Peter Schöne (r.) die Lieder Schuberts. Cord Garben begleitet ihn am Flügel. (Foto: Janina Schmidt)

Der international erfolgreiche Bariton Peter Schöne präsentiert im Ratssaal von Pinneberg Schuberts „Schöne Müllerin“.

Pinneberg. Dass gute klassische Sänger dick sein müssen, ist ein Gerücht: Peter Schöne, der als Solist an mehr als 20 Opernhäusern engagiert war und regelmäßig unter anderem mit dem NDR-Sinfonieorchester und dem Münchner Rundfunkorchester arbeitet, ist von eher schmächtiger Statur. Nicht so aber seine Stimme, die er am Freitagabend vor rund 130 Zuhörern im Pinneberger Ratssitzungssaal erklingen ließ.

Hauptwerk des Abends war Franz Schuberts „Schöne Müllerin“: Eine Vertonung des gleichnamigen Gedichtzyklus von Wilhelm Müller, bestehend aus 20 inhaltlich miteinander verbundenen Einzelliedern, in denen die unglückliche Liebe zu einer – wenig überraschend – schönen Müllerin besungen wird. Als Einstieg bot Schöne mit dem Pianisten Cord Garben zwei Werke der Komponisten Ludwig Stark (1831-1884) und Ludwig Berger (1777-1839). Die Beispiele der Zeitgenossen Schuberts sollten, neben dem Hauptwerk des Meisters, einen Blick über den Tellerrand in andere Ausformungen der Gattung des Liederspiels geben.

Garben begrüßte das Publikum und kommentierte humorvoll Starks Werk: „Es ist so schrecklich, dass wir davon auch nur eins spielen“. So schrecklich war es dann keineswegs, auch wenn Schöne, wenig romantisch von einem Tablet Noten lesend, hier noch verhaltener sang. Erst bei Schubert, bei dem er auch nicht mehr ablesen musste, kam er zunehmend aus sich heraus, stellte die besungenen Gefühlswallungen auch mimisch dar. So begeisterte er das Publikum, das teils mit geschlossenen Augen seiner mal weichen und mal kraftvollen Stimme lauschte, andernorts aber auch stumm die Lippen mitbewegte.

Effekt wie bei modernen Liedern

„Das Zusammenspiel der beiden ist wunderbar. Man kann jede Silbe des Textes verstehen, was nicht selbstverständlich ist“, sagte Zuhörerin Gisela Fischer. „Es ist ein großes, ein grandioses Erlebnis“, fügte sie noch hinzu. Ihre Begleiterin Ingeborg Triskatis meinte: „Wunderbar, er hat einen tollen Stimmumfang.“ Während die meisten Zuschauer offenbar Kenner des deutschen Liedgutes waren, schien sich Rüdiger Dohnhardt neu auf das Metier eingelassen zu haben: „Es ist schwere Kost, aber mir gefällt es.“ Jürgen Berger aus dem Vorstand des Kulturvereins Pinneberg, der das Konzert veranstaltete, erinnert sich: „Früher war das Singen dieser Lieder in den Haushalten noch üblich. Man wuchs damit auf.“

Der Bariton Schöne, der auch Geige studierte, sah eher den emotionalen Charakter der Stücke und verglich deren Effekt auf den Zuhörer mit modernen Liedern: „Die Leute wollen sich dem Lied und den teils auch leidenden Geschichten hingeben, von Liebe und Ablehnung“, sagte er. „Moderne Lieder sind dazu letztlich Ersatzformen, die Themen sind aber Freude, Liebe und Leid geblieben“. Schöne interessiert sich auch über den Konzertbetrieb hinaus für das Liedgut Schuberts. In einer privaten Großaktion nimmt er nach und nach sämtliche Lieder Schuberts auf, und stellt sie im Internet zur Verfügung.

Das dauere nun schon neun Jahre und werde nochmal so viel Zeit in Anspruch nehmen: „Es geht langsam voran, zwischendurch muss ich ja Geld verdienen. Bezahlen will das jedenfalls niemand“, so Schöne. „Ein Teil meiner Seele schlägt für dieses Repertoire“. Übrigens wird Schöne, nachdem er mit diesem Programm schon in Osaka auftrat, nun auch in Kyoto auftreten. Der Saal dort sei zwar sehr klein, aber bereits ausverkauft: „Das japanische Publikum kennt die Lieder gut, auch die Texte. In Japan gibt es eine große Sehnsucht nach romantischer, deutscher Kultur.“

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